Sonntag, 7. Oktober 2018

Hallo zusammen,
heute haben wir Sonntag und ich habe eine herrliche Nacht in einem riesigen Bett hinter mir. Es war wirklich mal eine Wohltat die Beine so ausstrecken zu können, wie ich will. Und das Beste kommt ja erst noch. Die Dusche. Eine warme Dusche nach vier Tagen ohne, das war wirklich eine Wohltat am frühen Sonntag Morgen so gegen kurz nach sieben. Als ich dann runter in die Küche kam, war Klara schon dabei, die Küche zu wischen. Ich ging kurz hinaus um eine Zigarette zu rauchen und sie fragte ob ich schon einen Kaffee haben möchte oder ob ich lieber warten wolle, bis Sepp auch nach unten kommt, da er Sonntags eher etwas länger schläft. Ich nahm den Kaffee dankend an und rauchte dabei noch eine weitere Zigarette.
Dann ging es zunächst einmal raus in den Garten wo Klara ein paar Stangen Lauch und einige Kräuter für das heutige Mittagessen zusammensuchte. Nur ein paar Minuten nachdem wir wieder in der Küche eintrafen, kam auch Sepp schon herein und seine Frau machte uns erstmal ein deftiges Frühstück. Es gab Spiegeleier mit Speck, dazu Brot und Brötchen sowie noch einen weiteren Pott Kaffee.
Nach dem Frühstück fuhr ich mit Sepp hinauf zum Kuhstall, wo es auch heute, am Sonntag, noch ein paar kleinere Arbeiten zu erledigen gab. Zuerst durfte ich erneut dem Kalb eine Flasche warme Milch zu trinken geben. In der Flasche waren sicher 1,5 bis 2 Liter welche das kleine Kälbchen gerade mal auf ex verputzte. Es schaute mich an als wollte es sagen: “Und, war das schon alles?” danach widmete ich meinen weiteren Aufgaben. Zunächst musste der Kanister mit dem Sprit für die Reinigungsanlage der Melkmaschine wieder aufgefüllt werden. Dies war keine große Sache.ich nahm den Kanister, welcher nur noch zu etwa einem Viertel gefüllt war, trug ihn ein paar Meter über den Hof zur Zapfanlage und füllte ihn bis knapp unter den Rand. Dann kam er wieder an seinen angestammten Platz, die Schläuche wieder rein, so dass die Anlage auch Sprit ziehen konnte und das wars.
Mittlerweile hatte Sepp auch noch ein paar Stiefel in meiner Größe gefunden. Ich probierte sie an und sie saßen beinahe wie angegossen. Sind halt keine Sneaker aber im Stall allemal mehr zu gebrauchen. Ab jetzt konnte es dann also losgehen. Nun musste ich zumindest nicht mehr einmal um den Stall herumlaufen, wenn ich dem Kalb Milch geben, oder eben auf der anderen Seite irgendetwas erledigen wollte. So gingen wir gleich hinüber in einen weiteren Stall, wo ich das Heu, welches dort in der Mitte des Durchgangs / der Durchfahrt lag, mit der Heugabel näher an die dort stehenden Kühe heranbrachte und es zum Schluss, um nicht aus Versehen eines der Tiere mit der Gabel zu verletzen, es mit den Füßen noch heranschob. Kurz nachdem ich damit durch war, kam Sepp auch schon mit dem Lader und einer neuen Ladung Heu, welche er, vermutlich als Vorbereitung für morgen, wieder in die Mitte der Durchfahrt kippte.
Dasselbe Spiel wiederholten wir noch einmal in dem Stall, in welchem die Kühe standen, welche wir gestern noch gemolken hatten. Als auch dies erledigt war, bat Sepp mich nochmals die Pumpen, welche an den Zitzen der Kühe befestigt werden, mit Wasser abzuspritzen. Extra dafür hingen in der Mitte der Melkanlage einige Wasserschläuche samt passendem Sprühaufsatz. Zwar hatte ich das gestern Abend auch schon gemacht, aber vielleicht nicht ordentlich genug. Obwohl ich schon darauf geachtet hatte, dass sie wirklich alle sauber waren. Nichts desto trotz nahm ich natürlich wieder die Spritzen zur Hand und achtete diesmal noch mehr darauf, wirklich alles so gut es ging sauber zu machen.
Danach wischte ich noch den Vorraum zur Melkanlage und als auch dies erledigt war, kam auch schon Sepp herein mit den Worten: “Na, groß bist Du ja schon, jetzt wollen wir mal sehen ob Du auch stark bist.” Als nächstes galt es nämlich eine Kuh, welche eine Entzündung am Auge hatte, festzuhalten während Sepp ihr eine Medizin in das betroffene Auge rieb. Das Festhalten der Kuh kann man sich in etwa so vorstellen, dass man die Kuh dabei mit dem einen Arm mehr oder weniger in den Schwitzkaste nimmt, während man mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand in die Nasenlöcher des Tieres greift. Dann musste ich den Kopf noch so hochziehen und so gut es ging in Position halten, bis das Auge behandelt war. Das hört sich im ersten Moment vielleicht recht einfach an, allerdings ist es allein schon aufgrund der Masse eines solchen Tieres gar nicht so leicht zu halten, wenn die Kuh anfängt den Kopf der Umklammerung entreißen zu wollen. Sepp meinte nur das dies noch eine der ruhigeren Kühe wäre. Wenn man das bei einer etwas wilderen versucht, wird man dabei, wenn man Pech hat nach links und rechts ins Heu geworfen.
Nun war auch schon der größte Teil der Arbeit für heute getan. Lediglich ein kurzer Spaziergang mit den beiden Hütehunden, welche zum hereintreiben der Kühe dort waren stand noch aus. Wir entledigten uns unserer Overalls und Stiefel, ich machte mir erneut eine Zigarette an und wir gingen mit den Hunden ein Stück der kleinen Straße, welche entlang der Felder verlief, längs.
Zwanzig Minuten bis vielleicht eine halbe Stunde später war auch das geschafft, und wir fuhren wieder zurück zum Haus. Dort angekommen roch es schon verführerisch nach dem Essen welches Klara schon auf dem Ofen hatte. Da die Arbeit für den heutigen Tag getan war, setzte ich mich auf die Terrasse vor der Küche und tippte die ersten Zeilen dieses heutigen Berichts. Ich hatte gerade die ersten drei, vier Sätze verfasst, da kam Sepp und bat mich noch die Tiere, welche er kurz zuvor noch mittels einer Feststellvorrichtung, festgesetzt hatte, wieder daraus herauszulassen. Ich stand auf und gerade als ich ums Eck bog, kam auch schon der für heute angekündigte Besuch. Es war ein nettes Ehepaar, ungefähr im selben Alter wie Sepp und seine Frau, und noch die Eltern eines der beiden Gäste. Ich denke von der Frau, bin mir da aber nicht ganz sicher. Ich sagte kurz freundlich Hallo und bekam einen ebenso freundlichen Gruß zurück. Dann machte ich mich sofort auf die Tiere aus der Feststellvorrichtung zu entlassen. Gerade als ich zurückkam, bat Sepps Frau mich auch schon zum Essen hinein.
Als Vorspeise gab es eine Nudelsuppe mit frischem Lauch und den Kräutern welche wir heute Morgen aus dem Garten geerntet hatten. Wobei ich mit der Ernte eher weniger zu tun hatte. Außerdem waren noch ein paar klein geschnittene Karotten in der Suppe. Zum Hauptgang gab es (und ja, jetzt dürft ihr alle ruhig ein bisschen neidisch werden) Kartoffelpüree mit Rotkohl und dazu ein wunderbar schmackhaftes Wildschweinragout. Ist das mal ein Festmahl vor dem Herrn? Schon bis hierhin wirklich fast nicht mehr zu toppen. Außer vielleicht man bekommt zum Nachtisch noch ein Apfelkompott mit Mascarpone/Joghurt topping. Denn ja, auch das gab es noch. Ach ja, nicht zu vergessen, reichte Sepp zum Essen noch einen wirklich guten Rotwein. Einfach ein wirklich gutes Essen, welches wenn es nach mir geht so manches Gedöns was man aus dem Fernsehen kennt und was dort als Sterneküche angepriesen wird erblassen lässt.
Nach dem Essen verabschiedete ich mich aus der Runde und ging erstmal ein paar Meter die Straße entlang um besseren Handyempfang zu haben. Ich führte ein paar Telefonate mit Freunden und Familie in Deutschland und ging dann wieder zurück und hoch in mein Quartier. Dort angekommen wollte ich eigentlich an diesem Bericht weiterarbeiten, als ich entdeckte das ich hier oben tatsächlich auf einmal besten mobilen Internetempfang hatte. Ich stellte das Schreiben vorerst zurück und zog mir die erste Folge der neuen Staffel “The Man in the Highcastle” auf Amazon Prime rein. Danach dann noch kurz eine kleine Zigarettenpause und dann machte ich mich an diesen heutigen Tagebucheintrag. Doch diesmal nicht auf dem Handy. Da ich ja Internet hatte, nutzte ich mein Handy als mobilen Hotspot und packte zum ersten Mal auf meiner Reise meinen Laptop aus. Gerade als ich den Satz vor diesem hier geschrieben hatte, kam Sepp nochmal in mein Zimmer und fragte ob ich noch mal Lust hätte mit ihm in den Stall zu fahren. Tja, auf nem Bauernhof gibt es halt immer was zu tun. Zwar sah er das ich gerade am Schreiben war und sagte ich müsste nicht nochmal mitkommen, aber noch machte mir die Arbeit, auch wenn ich sicher nicht der Beste Bauernsgehilfe auf dem Planeten bin, sogar noch richtig Spaß und so klappte ich den Laptop zu, packte mein Handy nochmal ans Ladegerät und zog nochmal mit ihm los. Es war gerade kurz vor sieben, und bis ich wieder vor meinem Rechner saß, war dann auch neun Uhr durch.
Ach, noch eine kleine Korrektur zu meiner Behauptung/Vermutung von vorhin, das Sepp am Sonntag gerne etwas länger schlafen würde. Dem war wie er mir gerade noch erzählte natürlich nicht so. Er war heute Morgen schon um halb sechs am Stall und hat die Kühe schonmal gemolken. Die müssen nämlich zweimal täglich gemolken werden. Und da sagen die hier noch momentan wäre nicht wirklich viel zu tun. Ich finde das was ich miterlebe schon ne ganze Menge. Und für die Leute hier ist das scheinbar so ne Art Nebensaison. Echt krass, wenn man sich vorstellt das über Jahre und Jahrzehnte zu machen. Und wie gesagt, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Vielleicht sollten wir alle mal daran denken wenn wir uns darüber aufregen das die Milch wieder mal ein paar Cent mehr kostet. Oder wir darüber nachdenken ob wir nun wirklich für meinetwegen zehn oder zwanzig Cent weniger die Industriemilch und nicht die Bio-Variante kaufen. Die Leute hier Arbeiten wie ich das sehe verdammt hart und bekommen nicht annähernd die Anerkennung die sie eigentlich verdient hätten. Soviel ist auf jeden Fall mal sicher.
Nun denn, das war dann also heute mal mein Wort zum Sonntag. Ich wünsche euch noch eine gute Nacht aus einem schönen Ort in Belgien 😉und freue mich auf morgen.

Liegt ein bisschen am Wetter was morgen so geht. Entweder werden die restlichen Kartoffeln geerntet oder aber es geht ans Holz spalten und einlagern/stapeln. Ich werde mir jetzt noch die zweite Folge der neuen Staffel “The man in the Highcastle am Laptop ansehen und dann bis morgen alle zusammen.

 

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Beste Grüße
Euer europa blogger.

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