Sonntag, 21. Oktober 2018

Hallo und Bonjour aus dem kleinen Ort Pommiers,
nach dem herrlichen gestrigen Abend mit Gaelle, hatte ich auch noch eine wunderbar entspannende Nacht, auf einem richtig bequemen Ausklappsofa. Endlich konnte ich mich mal weder richtig schön ausstrecken. Tja, so ein kleines Zelt hat zwar seine Vorteile (Gewicht) aber eben auch so seine Nachteile (Platz). Nachdem wir dann noch zusammen gefrühstückt haben, fuhr Gaelle mich sogar noch ins nächste Dorf, von wo aus ich meinen Weg für die gut und gerne nächsten 6 km zu Fuß fort setzte.
Natürlich erst, nachdem ich mir noch eine Schächte Zigaretten und ein Baguette besorgt hatte. Kurz darauf, ich war vielleicht gerade einmal ein bis zwei km gegangen, allerdings durch die Berge, was bestimmt 10 km auf gerader Strecke entspricht, erbarmt sich eine nette Dame mittleren Alters meiner und hielt an. Ich sagte ihr, das ich in Richtung Thiers bzw. Clermont-Ferrand wolle und sie sagte das sie mich bis Thiers mitnehmen könne. Sie wollte dort ihren Sohn und dessen Frau, welche wie sie mir sagte auch Deutsche war, besuchen. Das war für mich auf jeden Fall schon mal sehr gut. Denn so waren die nächsten ca 50 km dann auch schnell geschafft. Sie setzte mich an einem Kreisverkehr ab, ab welchem sie dann in eine andere Richtung musste.
Ich setzte mich mit meinem Pappschild an die Ausfahrt in Richtung Clermont-Ferrand und keine zwanzig Minuten später hielt auch schon die nächste Dame. Sie hatte gerade einen anderen Tramper abgesetzt und sagte warum nicht gleich den nächsten mitnehmen. Wieder einmal Glück für mich und noch dazu, wohnte Sie in Clermont-Ferrand, so daß ich es bis dorthin dann auf alle Fälle schon einmal geschafft hatte. Eigentlich wollte sie mich direkt im Zentrum absetzen, doch da dort eine Art Marathon oder so etwas stattfand, war dieses gesperrt. So setzte sie mich ein paar Straßen weiter ab, und drückte mir zum Abschied sogar noch fünf Euro in die Hand, damit ich mir etwas zu Trinken kaufen konnte.
Ich flanierte ein wenig durchs Zentrum, machte ein paar Fotos und setzte mich dann in ein Café, wo ich mir zwei Gläschen Chardonnay gönnte. Während ich dort saß, sah ich schon mal nach einer günstigen Unterkunft im Internet nach, da ich ja hier Arbeit finden wollte. Ich fand ein paar Foyer und Einrichtungen und machte mich dann auf den Weg. Bei der ersten sagte man mir direkt das sie keine Reisenden aufnehmen. Also ging ich weiter. Die nächste Einrichtung auf meiner Liste, welches von Google als Obdachlosenheim benannt wurde. Es hatte sogar eine Bewertung von fünf Sternen von fünf. In ein richtiges Obdachlosenheim wollte ich eigentlich nicht, da ich dort vermutlich nirgends meine Sachen lassen konnte, doch aus Neugier nahm ich die knapp 5 km in Angriff und lief los. Es stellte sich heraus, daß es sich bei der Einrichtung um ein Heim für Behinderte handelte und so war ich hier natürlich auch völlig falsch.
Von Foyer oder dergleichen hielt ich eh nicht besonders viel, und so entschied ich mich meinen Weg fortzusetzen und weiter in Richtung Bordeaux aufzubrechen. Das hieß natürlich wieder rauf in die Berge. Ich schulterte meinen Rucksack, googlete nach einer passenden Route und ging los. Unterwegs gönnte ich mir noch einen großen Kaffee und die vier hartgekochten Eier welche Gaelle mir mitgegeben hatte und ging dann wieder rauf in die Berge. Der Weg welchen Google maps mir zeigte führte mich durch eine wirklich nette Gegend, allerdings immerzu steil Bergauf. Als dann auf einmal auch noch der von Google vorgeschlagene Weg gesperrt war und ich bestimmt einen km wieder runter musste, fluchte ich nicht schlecht, ergab mich aber letzten Endes meinem Schicksal und suchte eine andere Strecke. Zum Glück war diese, bis auf den km welchen ich zurück gehen musste, kein allzu großer Umweg. Allerdings, wie auch schon zuvor immer Steil Bergauf. Wie ich von meiner letzten Mitfahrgelegenheit gehört hatte, waren das hier fast alles erloschen Vulkane.
Ich ging so etwa zwei Stunden, bis ich an einen Aussichtspunkt gelangte, von welchem man die ganze Stadt unter sich sehen konnte. Dort beschloss ich die Nacht zu verbringen, genehmigte mir noch eins meiner letzten beiden Snickers sowie zwei der vier Äpfel welche ich auch noch von Gaelle hatte und wartete darauf das die Leute allmählich verschwanden um mein Zelt aufzubauen.
Da dies nicht wirklich geschah und einfach immer neue Leute dort eintrafen, baute ich mein Zelt gegen sieben Uhr trotzdem auf, woran sich auch niemand störte und genoss dann noch etwas die Aussicht über die Stadt, während es langsam dunkel wurde. Dann legte ich mich in mein Zelt und hörte noch etwas Musik. So gegen zehn Uhr bemerkte ich, dass scheinbar einige Jugendliche hier noch eine party feierten. Ich sah kurz aus meinem Zelt, aber ich schien sie nicht zu stören und sie mich auch nicht, und so hörte ich noch etwas weiter Musik und so gegen Mitternacht war dann auch langsam alles ruhig und ich legte mich schlafen.
Mit den besten Grüßen vom Aussichtspunkt über Clermont-Ferrand
Euch allen noch eine gute Nacht,
Euer europa-blogger

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