Samstag, 20. Oktober 2018

Hallo und bonjour an alle meine treuen Leser vom Campingplatz nahe Balbigny,
wobei, so ein toller Tag ist es nicht wirklich. Um ehrlich zu sein, ist es sogar ein richtiger Sch…. Tag. Zu allererst war es heute morgen mal so richtig schön kalt. Dazu kam noch der Tau, so daß alles um das Zelt herum und auch das Zelt selbst schön nass war. Natürlich auch noch meine drei paar Socken, die Boxershort und das T-Shirt welche noch immer über der Leine hängen. Und als wäre all das noch nicht genug, kommt heute noch nicht einmal die Sonne raus um die ganze Sache mit dem trocknen mal etwas voranzutreiben. Da ich also eh nicht viel machen kann, bin ich erstmal wieder rein ins Dorf und habe mir einen Kaffee und eine Schachtel Zigaretten, sowie noch zwei Schoko Brötchen gegönnt und bin dann wieder zurück zum Platz. Die Wetterlage hatte sich noch immer nicht gebessert und meine Sachen wurden und wurden einfach nicht trocken. Eigentlich wollte ich heute morgen auch noch duschen, aber was ich jetzt ganz sicher nicht gebrauchen kann ist noch ein zusätzliches nasses Handtuch. Also blieb es beim Zähneputzen. Das einzig gute ist, wenn man so will, daß ich den Platz verlassen kann wann ich will. Obwohl eigentlich auch das nicht stimmt. Denn wollen würde ich schon ganz gerne, nur muss ich eben noch auf meine Sachen warten, und was das angeht, sehe ich langsam ein bisschen schwarz.
Vielleicht noch ein paar Worte zum Platz hier. Ich finde für das was man hier geboten bekommt, ist er schlicht und einfach viel zu überteuert. 17,40 € pro Tag sind schlicht und ergreifend zu viel. Natürlich habe ich mich über die Dusche gefreut, und auch eine normale Toilette ist eine feine Sache. Aber auf dem Platz in Nancy gab es das auch, nur das dort die Duschen und Toiletten besser waren, man so viel Kaffee trinken konnte wie man wollte, man sogar Frühstück bestellen konnte (Baguette, Schoko Brötchen, Croissants), der Kaffee sogar umsonst war und das alles für gerade einmal 7,50 Euro. Also das Preis/Leistungs Verhältnis stimmt hier einfach mal gar nicht.
Mittlerweile haben wir es genau 12:00 Uhr und meine Sachen sind immer noch nicht trocken. Da kann aber natürlich der Platz nichts für. Und ausserdem stinken sie immer noch und das Waschen hat somit nicht wirklich etwas gebracht. Da ich aber heute auf jeden Fall noch los muss, warte ich noch bis ein Uhr und wenn sie dann nicht trocken sind, wovon ich mittlerweile ausgehe, ist es mir auch egal und sie kommen einfach in den beutel, dann rein in den Rucksack und weiter geht’s.
Apropos weiter. Wenn ich mir so die Google maps Karte ansehe, kann ich eigentlich nur beten, daß mich jemand auf der Autobahn mitnimmt, denn das ist hier wirklich alles mitten im nirgendwo. Wenn ich das zu Fuß oder über Landstraßen/Bundesstraßen machen muss, bin ich mindestens noch die ganze nächste Woche unterwegs. Und da habe ich wirklich keine Lust drauf. Das war für mich wirklich das erste und letzte Mal das ich durch diese gottverdammte Gegend hier trampe. Auf keinen Fall noch mal zu Fuß. Höchstens mit einem eigenen Wagen.
Ach ja, Arbeit habe ich natürlich auch noch immer nicht und ehrlich gesagt sehe ich auch was das angeht langsam aber sicher schwarz. Ich will echt hoffen, daß es die nächsten Tage wieder besser wird. Sonst muss ich mir langsam echt etwas einfallen lassen.
Aber gut, eine positive Sache gibt es dann doch noch. Zumindest konnte ich alle meine Geräte mal wieder voll aufladen. Das ist doch zumindest schon mal etwas. Dann Will ich mal hoffen das es gleich wenigstens mit dem per Anhalter fahren klappt, und ich heute zumindest noch nach Clermont-F. komme. Wünscht mir Glück und dann bis heute Abend.
Na ja, das mit dem per Anhalter fahren hat Dan mal nicht so wirklich gefunzt. Wobei das so auch nicht ganz richtig ist. Aber mal der Reihe nach. Direkt vom Campingplatz bin ich, so wie ich es mir vorgenommen hatte, zur Autobahn gefangen und habe mich dort an die Auffahrt gestellt. So gut eine oder auch anderthalb Stunden, passierte an der, wie ich sie an dieser Stelle mal nennen möchte, langweiligsten Autobahnauffahrt der Welt, absolut gar nichts. Vielleicht drei dutzend Autos fuhren an mir vorbei, und die Autobahn ging in mehrere Richtungen. Dann, so gegen halb vier beschloss ich, es sein zu lassen und mein Glück lieber wieder selber in die Hand zu nehmen. Zunächst einmal hieß das, die vier km, welche ich hierher gelaufen war, wieder zurück zu gehen. Also insgesamt so in etwa acht km umsonst gelaufen.
Nun ja, kann man nichts machen. Aber jetzt geht es zumindest weiter, wenn auch etwas langsamer.
Nachdem ich wieder am Campingplatz vorbei war, ging es diesmal in die andere Richtung weiter. Und siehe da, hier lagen sicher ein dutzend schöne Plätze, wo ich auch hätte campen können. Und das ganz umsonst. Aber wie heißt es doch so schön? Hinterher ist man immer schlauer. Mein neues Ziel hieß jetzt zunächst einmal Grézolles, und lag gut 20km oder, laut Google maps, 4 Stunden entfernt. Laut Navigation sollte ich um 20:37 Uhr dort eintreffen.
Nach gut elf km, ich streckte gerade wieder den Daumen raus um zumindest ein Stück weit in die Richtung mitgenommen zu werden, hielt auch tatsächlich ein kleiner Lieferwagen. Drinnen saß eine hübsche junge Frau von 28 Jahren, wie ich später noch erfahren sollte. Sie sagte zu acht sie könne mich ein Stück weit mitnehmen und als wir dann so ins Gespräch kamen, fragte sie ob ich heute Abend lieber draußen schlafen wolle oder doch lieber im warmen. Ach ja, als ich meinen Rucksack hinten in den Lieferwagen legen wollte, stieg sie kurz aus, um die Tür zu öffnen, denn hinten im Wagen saß noch Ziege, vermutlich ein Schäferhundmischling aber so genau wusste sie das auch nicht, da sie ihn aus einem Heim hatte.
Ich antwortete wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich wohl für die zweite Option entscheiden. Sie drehte kurzerhand um und brachte mich zu sich nach Hause. Dann öffnete sie mir die Tür zu ihrem Haus, ließ mich eintreten, zeigte mir kurz wo alles ist, setzte sogar noch eine Kanne Kaffee auf und sagte dann ich solle mich fühlen wie zuhause, sie müsse nur nochmal kurz einkaufen. Und dann ließ sie mich erstmal allein in ihrer Wohnung zurück.
Ich nahm eine Dusche, trank danach zwei, drei Tassen frisch gekochten Kaffee und wartete darauf das sie wiederkam.
Ein paar Minuten später war sie dann auch wieder da. Ich half ihr kurz ein paar Säcke Pellets für den Ofen ins Haus zu tragen, und dann begann sie auch schon damit essen für uns beide vorzubereiten. Sie hieß übrigens Gaelle, ein schöner Name wie ich finde. Zum Abendessen gab es Nudeln mit Champignon Tomaten sauce, dazu Salat, Brot und noch Eis zum Nachtisch. Dazu zwei Gläser Rotwein.
So hatten wir einen echt schönen Abend zusammen und sie erzählte mir von ihrer Tour durch Südamerika, und wie sie im Sommer in den französischen Bergen als Schafhirtin gearbeitet hatte. Auch eine ganze Menge Fotos davon hatte sie. Echt beeindruckend. Ich erzählte von meiner Tour und das ich gerade auf der Suche nach Arbeit sei. So saßen wir da, redeten viel über Gott und die Welt, und verbrachten einen echt schönen Abend zusammen, den ich sicher nicht vergessen werde. Echt wieder mal ein gutes Beispiel dafür, was für gute Menschen es doch gibt.
Und auch wenn ich heute nicht so weit gekommen bin wie ich es vorhatte, und wenn der Tag besch… nicht hätte beginnen können, so hätte er doch auch nicht besser enden können.
Euch allen noch eine gute Nacht, mit den besten Grüßen aus dem schönen Ort Pommiers,
Euer europa-blogger.

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