Montag, 15 Oktober 2018

Hallo und bonjour von irgendwo zwischen Beaune und Chalon sur Sâone.
Ich hatte eine ziemlich gute Nacht hier am See. Ich hoffe ihr alle auch, wo auch immer ihr seid. Lediglich zwischen so ungefähr 4 und 6 Uhr morgens war es dann doch etwas kalt und ich kuschelte mich richtig schön in meinen Schlafsack, welchen ich aber mehr als Decke benutze ein. So gegen 7, oder auch 7:30 Uhr, als es dann langsam hell wurde stand ich langsam auf und rauchte erstmal eine schöne Zigarette am See. Es schien ein wirklich schöner Tag zu werden und laut Wetterbericht soll das auch so bleiben. Zu meinem Glück ist es auch während der Nacht nicht zu regnen angefangen und es blieb bei den paar Tropfen welche ich gestern Nachmittag abbekommen habe.
Nur Mut meiner Hose und meinen Schuhen bekleidet ging es dann zunächst mal an den See um eine provisorische Katzenwäsche vorzunehmen. Das Wasser war ganz schön kalt und so verzichtete ich auf ein Vollbad, wie ich es eigentlich vor hatte. Dann noch kurz Zähneputzen mit dem Rest Wasser welches ich noch dabei hatte, kurz das Zelt und den restlichen Kram zusammengepackt und dann machte ich mich auch so gegen halb neun neun wieder auf den Weg.
Laut meinem Navy und auch laut der Beschilderung vor Ort waren es nur noch zwei km bis zum nächsten Dorf. Dort wollte ich zunächst noch ein kleines Frühstück mit einem schönen heißen Kaffee zu mir nehmen und mich dann weiter aufmachen in Richtung Chalon sur Sâone und mich dort in der Umgebung nach Arbeit umhören und noch einige Dinge besorgen. Doch das nächste Dorf war wie ausgestorben. Lediglich drei Polizisten standen an einer Kreuzung und machten (weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, hier gab es absolut gar nichts. Dafür waren die drei aber in voller Monteur. Mit Schnellfeuergewehren und allem drum und dran) nun ja, ich nutzte die Chance und fragte einen der drei nach einem Café. Er zeigte in eine Richtung und ich bedankte mich und ging entlang des Weges welchen er mir gezeigt hatte.
Und siehe da, hier kam erstmal gar nichts. Einfach nur lange lange gar nichts außer wiesen und Feldern. Ich fing schon an innerlich den Polizisten zu verfluchen, als ich nach ca einer Stunde Fußmarsch, es war so gegen zehn Uhr, in einem weiteren kleinen Dorf ankam. Hier fand ich sogar relativ auf Anhieb ein kleines Café, mit angeschlossener Bar Tabak und noch einer Post. Ich bestellte einen großen Café au laut, bei uns eine normale Tasse Kaffee, und kam etwas mit den Leuten dort ins Gespräch. Der Mann fragte wo ich hinwollte und ich sagte nach Chalon sur Sâone. Er erwiderte das er um halb elf auch dahin fahren wollte und er mich mitnehmen könnte. Ich nahm Dankend an und so waren wir dann gegen ungefähr elf Uhr dort.
In Chalon angekommen suchte ich erstmal nach einer Bar Tabak. So langsam ging das Päckchen welches Sepps Tochter mit vor genau einer Woche mitgebracht hatte zu Ende. Dann kam auch gleich der nächste Schock. Geschlagene 10,90 € für 30 Gramm Pueblo Tabak. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Bei uns kostet der die Hälfte. Nun ja, was sein muß muß halt sein und so fragte ich mich weiter durch nach einem möglichst günstigen Laden um noch den Rest den ich brauchte zu kaufen. Eine ältere Dame zeigte mir den Weg, Gott sei Dank nur ein paar Meter durch das Zentrum und ich betrat den Laden. Ich besorgte mir ein Baguette, 250 Gramm edel Salami am Stück, zwei Liter Wasser, sechs trink Päckchen kakao, ein Päckchen (4 Stück) AA Batterien als Reserve für meine Taschenlampe. Alles zusammen für 6,27 €. Das war wirklich mal nicht sehr teuer.
Daraufhin gab ich erstmal zwei der trink Päckchen einer Bettlerin die vor dem Laden saß und machte mich dann auf den Weg in einen kleinen Park im Zentrum durch welchen ich schon hierher gelangt war und machte bis gut Zwölf Uhr Pause.
Frisch gestärkt ging es dann auch weiter. Mein Handy hatte nur noch gut 80 % Akku Ladung und meine Powerbank war völlig leer. Dies war also mein nächstes Ziel. Irgendwo musste ich unbedingt meine Geräte wieder aufladen. Ich warf einen kurzen Blick auf Google maps und machte mich auf in Richtung Macon, was in etwa auf halbem Weg Richtung Lyon liegt. Gerade als ich auf der Bundesstraße angekommen war, die D 906 diesmal, sah ich kurz nach dem Ortsausgang von Chalon ein kleines Café. Ich versuchte mein Glück und fragte ob ich hier nicht etwas meine Powerbank laden könnte. Für die nette Kassiererin war das kein Problem. Sie zeigte mir ein paar Steckdosen, welche sogar im Ladenlokal waren, und ich hängte sofort meine Powerbank daran und setzte mich vor den Laden auf die Terrasse. Nun hatte ich erstmal Zeit. Um voll aufgeladen zu werden würde es knapp sechs Stunden dauern. So lange wollte ich aber dann doch nicht bleiben. Doch zumindest konnte ich so schon al diesen ersten Teil des heutigen Tagebucheintrags tippen. Jetzt ist es gerade 13:30 Uhr und ich werde mal sehen ob ich so bis drei oder vier noch meine Akkus laden kann und dann möglichst per Anhalter noch bis Macon komme. Zwar habe ich dann heute wohl kein Glück mehr mit der Arbeitssuche, mittlerweile habe ich noch zwanzig Euro und meine kleine Reserve, aber dann wird’s halt hoffentlich morgen was.
Wie gesagt, bin dann bis kurz vor vier in dem Café geblieben und konnte meine Powerbank zu gut dreiviertel voll laden und mein Handy zu etwas über 90 %. Das war dann ja zumindest schon mal etwas. Kurz nachdem ich das Café verließ, gabelte mich dann auch schon eine ältere Dame um die siebzig auf. Und dabei hatte ich noch nicht einmal mein Schild sondern einfach nur beim laufen den Daumen rausgehalten. Sie fuhr zwar nicht ganz bis nach Macon, aber zumindest nahm sie mich die nächsten gut zwanzig km mit bis zum nächsten Ort und ließ mich dort an einer Stelle raus, wo der nächste auch gut anhalten konnte.
Thema der nächste. Ob ihr’s glaubt oder nicht, das dauerte nicht einmal eine viertel Stunde und da hielt er auch schon. Er hieß Frédéric und war im Weingeschäft. Er hatte, wie er sagte so etwa zehn Hektar Weinreben und ging dort nun seit zwei Jahren seinem Traum als Winzer nach. Und, wie es der Zufall so wollte, mußte er gerade nach Lyon um dort eine Lieferung abzugeben. Ja genau, ihr habt richtig gelesen. Nach Lyon. Diesmal ging es dann auch über die Autobahn und nicht wieder über Land und so waren wir dann auch so ziemlich genau gegen 17:15 Uhr dort.
An der Ausfahrt wo er mich raus ließ, gab es einen kleinen Obst und Gemüse stand und so fragte ich direkt nach ob sie dort nicht einen Job für mich hätten. Der junge Mann dort rief seinen Chef an und fragte nach. Dann bat er mich meine Telefonnummer fort zu lassen, was ich auch tat, und nachdem ich ihm sagte, das ich aber nur bis morgen in der Stadt sei, sagte er der Chef würde mich dann entweder heute Abend noch anrufen oder ich hatte halt Pech gehabt. Ich fand es trotzdem nett das er zumindest seinen Chef anrief, bedankte mich und ging wieder meiner Wege.
Ab nun sollte es dann vorerst auch nicht mehr weiter Richtung Süden, sondern Richtung Westen (Bordeaux) gehen. Doch da ich wirklich langsam Arbeit finden wollte, beschloß ich ab morgen zunächst mal weiter zu Fuß zu gehen und zu schauen ob sich nicht irgendwo ein Bauernhof oder eine Obstplantage finden ließ auf der ich sagen wir mal so eine Woche arbeiten könnte.
Doch zunächst galt es einen Platz für die Nacht zu finden. Ich folgte ein kleines Stück der Bundesstraße auf welcher Frédéric mich rausgelassen hatte und bog dann in eine kleine Seitenstraße ein. Von hier aus ging es dann direkt in den Wald und langsam begann es etwas zu stippeln. Ich ging noch bis ungefähr viertel vor sieben weiter über Waldwege in den Wald hinein und fand dann schließlich ein nettes Plätzchen um mein Zelt aufzubauen. Bis hierhin stippelte es die ganze Zeit und ich war froh als das Zelt stand und alles soweit verstaut war. Und wie aus heiterem Himmel hörte es dann auch direkt wieder auf zu stippeln. Nun ja, ich war nicht böse drum, trank erstmal noch ein Päckchen kakao, lies das letzte für morgen früh, rauchte dabei noch eine Zigarette und telefonierte noch mit Familie und Freunden.
Dann legte ich mich ins Zelt, um mich herum knackte und knarrte es im Gehölz, und tippte den letzten Teil dieses Tagebucheintrags. Mittlerweile ist es zwanzig nach acht und so bleibt mir nur euch allen noch eine gute Nacht mit den besten Grüßen aus Lyon zu wünschen und dann bis morgen

 

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Euer europa-blogger.

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