Donnerstag, 4 Oktober 2018

So, da wären wir dann also wieder. Es ist Donnerstag morgen um viertel vor sechs. Zeit aufzustehen und den neuen Tag zu beginnen. Es ist verdammt kalt und ich ziehe mir beide Jacken über welche ich dabei habe. Zuerst vertrete ich mir etwas die Beine und bringe mich in Bewegung, damit sich meine Glieder von der Kälte der Nacht etwas erholen können. Dann noch einen schluck Wasser und die letzte Bifi von gestern, und dann ist zunächstmal Zeltabbau angesagt. Wie immer gilt es dabei zu beachten, je ordentlicher wir unser Zelt abbauen und verstauen, desto einfacher lässt es sich abends wieder aufstellen. Wirklich schätzen lernt man das wenn man mal gezwungen ist, das Zelt bei Regen, Wind und am besten noch Nachts aufzustellen. Glaubt mir, was ihr dann wirklich nicht mehr brauchen könnt ist es das sämtliche Schnüre und Verzurrungen völlig durcheinander sind. Um es auf deutsch zu sagen, dann ist man wirklich am Arsch.
Nach dem Abbau prüfe ich mehrmals mit meiner Taschenlampe ob ich auch wirklich alles dabei habe. Als ich mir sicher bin das dies der Fall ist, mache ich mich wieder auf den Weg. Ziel für heute ist erstmal Aachen. Doch zuerst noch nen schönen heißen Kaffee an der Tanke von gestern. Dabei schreibe ich gleich noch den gestrigen Tagebucheintrag zu Ende. Und während ich dort so sitze, entdecke ich neben mir ein Schild, gebührenfrei Geld abheben mit jeder deutschen ec-Karte. Das hatte ich eh noch vor. Wenn ich dafür noch nicht mal eine deutsche Bank finden muß, um so besser.
Nachdem auch das erledigt ist, gehe ich die paar Meter von der Tanke bis zu einer Ampel welche direkt vor der Auffahrt Richtung Aachen steht, stelle meinen Rucksack ab, nehme mein Schild und warte. So ungefähr eine Stunde lang tut sich überhaupt gar nichts. Gefühlt eine Million Autos ziehen im Kölner Berufsverkehr an mir vorbei. Nun gut, das gehört eben halt dazu. Außerdem habe ich ja auch keine Termine. Doch das Glück meint es wieder einmal gut mit mir.
Nach ungefähr einer weiteren viertel Stunde, es ist jetzt vielleicht halb zehn, höre ich hinter mir jm rufen. „hey Chef komm wir nehmen dich mit.“ Super. Vor mir steht ein junger Mann von gerade einmal neunzehn Jahren und am Steuer in der Fahrerkabine des Transporters sitzt ein ebenso junger Mann. Beide lächeln mich freundlich an und der der ausgestiegen war erklärte mir, dass sie in einen Ort kurz vor Aachen müssen. Ich nehme dankend an und er öffnet den Laderaum des Transporters. Dieser ist von unten bis oben voll mit alten Elektrogeräten.
Unterwegs erklärt mir der junge Mann welcher mich gerufen hatte und mir den Laderaum geöffnet hatte, das er Schrotthändler sei. Und zwar tatsächlich er. Er war der Chef der Firma. Sie waren, wie ich es mir nun schon beinahe denken konnten auf dem Weg eine Ladung aus Köln abzuholen und befanden sich gerade auf dem Rückweg. Mein Glück.
Der Chef hieß Eddi, zumindest stellte er sich so vor. Wie sein Kompagnon, sein bester Freund, wie er mir nachher noch mitteilte, hieß habe ich leider vergessen. Liegt wohl auch daran dass ich mich während der Fahrt mehr mit Eddi unterhalten habe. Jedenfalls war er mit sechs Monaten aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen und vor knapp einem Jahr, gerade als er dabei war sich selbstständig zu machen, wollten die Behörden ihn doch tatsächlich abschieben. Aber nicht mit Eddi. Er heiratete kurzerhand seine langjährige Freundin, so langjährig wie das mit neunzehn möglich ist, und nun ist er weiter hier und leitet seine Firma mit zwei oder drei angestellten. – Chapeau!
Als wir angekommen waren, setzten die beiden mich noch vor einem Netto ab und wir verabschiedeten uns als wären wir alte Freunde. Im Netto kaufte ich zwei mit Hühnchen gefüllte Teigtaschen, eine Müller Milch Schoko (wieder ohne Muh) sowie drei Eddings. Einen einzelnen gab es leider nicht. Ich bezahlte glaube ich 8,50 Euro und suchte mir erstmal eine Bank zum frühstücken. Als das geschaft war, warf ich einen Blick auf Google maps wo mich denn mein weiterer Weg hinführen sollte. Aachen war noch etwa 15-20km entfernt. Da ich fast schon ein schlechtes Gewissen wegen meines unverschämten Glücks beim trampen hatte, entschied ich mich diesmal zu Fuß zu gehen. Erstmal Richtung Würselen und dann weiter die restlichen paar km bis nach Aachen. Kurz hinter Aachen wollte ich mir dann einen Schlafplatz suchen und dort die Nacht verbringen. Dummerweise entschied ich mich ebenfalls dafür, meine Schuhe nicht zu wechseln und den Weg mit meinen Bugatti Sneakern zu bewältigen. Ganz dumme Idee, wie meine blutigen Socken am Abend noch beweisen sollten.
Der Weg an sich war zunächst jedenfalls, zumindest bis nach Aachen hinein gar nicht mal so wild. Zwar tat mir dort schon gelegentlich mein kleiner Zeh weh, doch ich ignorierte es und wollte einfach endlich nur ankommen. Gegen ca halb vier war das dann auch geschafft. Ich ging am Aachener Tivoli vorbei und direkt in die Innenstadt. Dort angekommen genehmigte ich mir noch eine große heiße Schokolade und machte mich dann wieder auf den Weg.
Das Ding beim campen ist nämlich, du musst nicht einfach nur in die Städte hinein, nein, denn dort kann man im Regelfall nur sehr schlecht bis gar nicht campen, also musst du auch wieder aus der Stadt heraus. Ich zog los und gegen ca kurz nach vier war ich wieder auf der B57 (Eupener Straße) in Richtung – na, wer hat’s erraten? Richtig. In Richtung Eupen unterwegs. Die verdammte Straße zog und zog sich. Langsam aber sicher war ich auch völlig fertig nach den geschätzten 25 km welche ich sicher hinter mir hatte und ich wollte einfach nur noch einen Schlafplatz finden. Eigentlich ja noch in Deutschland, doch in etwa zeitgleich als mein Telefon (welches mittlerweile auf 20 Prozent Akku runter war) mir mitteilte das ich ab jetzt über den belgischen Anbieter telefonierte und mir irgendetwas von Roaming Gebühren erzählte, sah ich auch schon das Schild welches die Grenze darstellte vor mir.
Das mit dem Roaming kam mir dann doch sehr seltsam vor. Eigentlich hatte ich einen Vertrag bei welchem 1 GB monatlich in der gesamten EU inbegriffen ist. Vorsichtshalber deaktiviert ich die mobilen Daten und nahm mir vor, später noch mit meinem Mobilfunkanbieter (1&1) zu sprechen. Ab jetzt hatte ich echt keinen Bock mehr. Ich wollte einfach nur noch mein Zelt aufbauen, meine heutigen Tagebucheintrag eintippen, mit 1&1 klären ob ich nun das GB hätte oder nicht und dann schlafen.
Ein paar Meter weiter entdeckte ich einen Weg, genau genommen handelte es sich um einen Privatweg aber das war mir zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Hinter dem Weg war ein kleines Waldstück zu erkennen und da würde ich mein Glück versuchen, bzw. Wie mir mittlerweile zumute war einfach nehmen was kommt und hoffen das nicht noch irgendwer mich heute Abend hier wieder rausschickt. Ich suchte und fand ein passendes (wenn man das denn so nennen möchte) Fleckchen und versuchte zuerst 1&1 anzurufen. Nach 12 Minuten in der Warteschleife gab ich entnervt auf und begann mein Zelt aufzubauen. Schon jetzt trauerte ich meinem perfekten Platz von gestern hinterher. Als das erledigt war, nahm ich mein Handy schloss es an die Powerbank an und begann mit meinem Tagebucheintrag.
Mittlerweile haben wir es 19:24 Uhr und das wars dann auch für heute. Ich leg mich jetzt ins Zelt. Es wird schon wieder verdammt kühl und meine Finger beginnen langsam echt kalt zu werden.
Also, der Tag wird trotzdem als Erfolg verbucht und dann gute Nacht und die besten Grüße von irgendwo zwischen Aachen und Eupen,

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euer
europa-blogger

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ich wünsche dir eine nicht zu kalte Nacht und weiterhin alles gute auf deiner Reise. Ich trink für dich ein Schoko extra mit 😉

    1. Dank Dir, die Nacht war sehr gut. Fast schon zu warm😁. Aber das gab wenigstens mal die Möglichkeit meine klotten zu wechseln😁. Dir auch noch alles Gute, und viel Erfolg.

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