Donnerstag, 18. Oktober 2018

Hallo und bonjour an alle meine treuen Leser,
von der Autobahnauffahrt Richtung Clermont-F. / Bordeaux, kurz hinter dem Ort Tarare.
Heute geht’s dann also weiter auf unserem Weg Richtung Westen. Da ich ja gestern das Nachtlager so gewählt habe, daß die Auffahrt so zu sagen direkt vor dem Zelt liegt, hielt sich der Aufwand bis zum nächsten Halt doch in recht engen Grenzen. So um halb sieben verließ ich das Zelt. Wie sich heraus stellte viel zu früh. Es war saukalt und auch noch viel zu dunkel um meinen Kram zu packen. Schließlich wollen wir ja auch nicht riskieren in der Dunkelheit irgendetwas zu vergessen. Nun denn, also erstmal wieder ins Zelt, natürlich erst nach der obligatorischen Morgenzigarette und noch ein paar Minuten ausharren.
Dann, so gegen viertel nach sieben ging langsam die Sonne auf und es war hell genug um meinen Kram zusammenzupacken und langsam aufzubrechen. Um zehn vor acht ging es dann los und um acht war ich an der Mautstation. Hier gab es glücklicherweise auch noch eine Toilette. Also erstmal kurz waschen und Zähneputzen und dann das gute alte Pappschild rausgeholt. Es war immer noch saukalt und es gab nicht mal eine Möglichkeit sich hier einen Kaffee zu besorgen. Aber was soll’s, Hauptsache es geht heute mal wieder etwas voran und endlich aus diesen sch… Bergen raus.
Denkste. Nach gut zwei Stunden Warterei hat sich immer noch niemand meiner erbarmt, und so beschloss ich nicht mehr länger auf mein Glück zu vertrauen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Kurz vor der Auffahrt zur Autobahn war eine Abzweigungung auf die Bundesstraße in Richtung des Ortes Balbigny. Laut Beschilderung war dieser 28km entfernt. Ich raffte also wieder meinen Rucksack auf den Rücken und lief los. Natürlich wieder nur Bergauf, aber hey, zumindest war es nicht mehr kalt. Die Sonne war wieder einmal meine treueste Begleiterin und so ging es gut eine Stunde lang die sich schön durch die Berge endende Straße hinauf, bis sich schließlich, nach etwa 4 oder 5 km jemand meiner erbarmt und mich zumindest mit hinauf auf den Berg ins nächste Dorf mitnahm.
Oben angekommen musste er leiderin eine andere Richtung weiter und ließ mich hier ab. Doch zumindest war der Anstieg auf den Berg schon mal geschafft und ich war wirklich erleichtert. Direkt dort wo er mich rausließ, war dann auch schon das nächste Schild welches die Richtung und die noch zurückzulegenden Km bis nach Balbigny anzeigte. Von hier aus waren es jetzt nur noch 15 km. Das war doch schonmal etwas. Fast die Hälfte geschafft.
Ich setzte meinen Weg zu Fuß fort und obwohl ich immer, sobald ich hinter mir ein Fahrzeug hörte, den Daumen raushielt, nahm mich einfach niemand mehr mit. So hin es dann also die nächsten gut zehn km durch die geschwungene Landstraße wieder bergab. Zu meinem Glück verlief diese hier größtenteils durch bewaldete Gebiet, so, dass ich zumindest nicht die ganze Zeit in der prallen Sonne laufen musste. Nach zehn km machte ich dann eine kurze trink- und Zigarettenpause, bevor dann der Endspurt in Richtung Balbigny bevorstand. Und siehe da, ich war nicht einmal einen km gegangen, da hielt dann doch noch jemand, Janick war sein Name, und er nahm mich mit bis zum Bahnhof nach Balbigny.
Dort angekommen, sah ich mich als allererstes nach einem Café um, da ich heute noch nicht einmal einen Kaffee oder etwas anderes warmes getrunken hatte um. Nach ein paar Minuten wurde ich fündig. Das Café welches mich anlachte hieß Bar Le Central und lag direkt vor dem Rathaus von Balbigny. Ich bestellte einen großen Café au lait und genoss erstmal die Pause bei einer weiteren Zigarette und dem Kaffee. Er war wirklich köstlich. Danach fragte ich dann den Eigentümer ob ich vielleicht noch ein bisschen mein Handy aufladen könnte, was er bejahte. Ich setzte mich nach drinnen, bestellte noch einen Kaffee und schloss mein Handy an die Steckdose an.
Da ich mich mittlerweile, meine letzte Dusche hatte ich Samstag letzter Woche, wirklich nicht mehr besonders gut fühlte, suchte ich via Google maps nach Campingplätzen in der Umgebung und würde auch recht schnell fündig. Der nächste war etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Um nicht umsonst zu laufen, rief ich kurz an und fragte ob er noch geöffnet sei. Ja, das war er Und zwar noch bis zum 31 Oktober. Allerdings hatte die Sache einen kleinen Haken. 17,40 € pro Tag wollten sie inklusive Strom, so dass ich alle meine Geräte laden konnte, wie ich wollte. Ich rief noch ein paar andere Campingplätze, welche ich heute noch zu Fuß erreichen konnte an, doch entweder ging niemand mehr dran, oder sie hatten schon geschlossen.
Nichts desto trotz, eine Dusche und auch das waschen meiner Wäsche musste einfach sein und so entschied ich mich die 17,40 € pro Tag zu bezahlen und machte mich auf den Weg. Natürlich wollte ich zuvor noch meinen zweiten Kaffee bezahlen, doch nachdem ich dem Besitzer des Cafés und seiner Frau meine Geschichte erzählt hatte, sagten sie, daß der aufs Haus ginge um mich für meine weitere Tour zu motivieren. Ich freute mich wie ein Schneekönig, bedankte mich recht herzlich und machte mich wieder auf den Weg.
Etwa eine halbe Stunde später traf ich dann am Campingplatz (Camping La Route Bleue) ein. Von außen machte er einen wirklich guten Eindruck und ich ging zur Rezeption um mich anzumelden. Drinnen erwartete mich eine freundliche Dame, nahm meine Daten auf, kassierte die 34,80 € für zwei Tage und dann konnte ich mir sogar einen der freien Plätze aussuchen. Ich entschied mich für einen Platz keine 100 Meter von der Loire entfernt, baute mein Zelt auf und ging dann als allererstes mal wieder richtig schön ausgiebig Duschen. Eine echte Wohltat.
Dann genoss ich noch etwas die Nachmittagssonne, nur mit kurzer Hose bekleidet und versuchte die Bräune, welche mittlerweile meine Arme hatten, auch an meinem restlichen Körper zu erlangen. Leider ohne Erfolg. Doch morgen ist ja auch noch ein Tag.
Gegen Abend fragte ich dann ob es auf dem Platz auch etwas zu essen und zu trinken geben würde, würde jedoch an einen Kebap Imbiss im Dorf verwiesen. Ich ging dorthin, aß eine Maxi Kebap mit Pommes und einer Cola, kaufte zuvor noch eine Flasche Wein und etwas zu essen und zu trinken im Carrefour Markt ein und machte mich dann so gegen acht wieder auf den Rückweg.
Um den Abend noch gebührend ausklingen zu lassen, ich hatte ja jetzt Strom im Überfluss, sah ich mir noch die nächsten anderthalb Folgen von The Man in the Highcastle auf Amazon Prime an, und schlief dann seelenruhig ein.
Also, trotz leichter Startschwierigkeiten und obwohl ich heute viel zu viel Geld ausgeben habe, euch allen noch eine ebenso gute Nacht wie ich sie hatte, mit den besten Grüßen vom Campingplatz La Route Bleue kurz hinter Balbigny,
Euer europa-blogger

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