24.10.2018 – 11.11.2018

Hallo zusammen.
Ja genau, ich bin wieder zurück. Ich weiß, ich weiß. Wird nach nunmehr knapp drei Wochen auch mal wieder Zeit. Aber ich gelobe Besserung. Zumindest werde ich es versuchen, doch in den letzten Wochen hatte ich entweder keine Lust oder ich wusste nicht so richtig was ich schreiben sollte oder aber ich bin einfach nicht dazu gekommen. Und obwohl in den vergangenen Tagen und Wochen so ziemlich jeden Tag was los war, weiß ich jetzt immer noch nicht so ganz genau was davon ich schreiben soll. Nichts desto trotz werde ich mal versuchen hier die Highlights zusammen zu fassen.
Also, direkt nachdem ich nach einem schönen und ausgiebigen Frühstück bei Marie wieder aufgebrochen war, ging es dann auch gleich weiter Richtung Meer. Mein nächstes großes Ziel hieß Arcachon und bis dorthin waren es von meinem Standort bei Marie in Brive la Gaillarde noch rund 250 km. Doch eh ich mich versah, waren die auch durch die immer wieder freundliche Hilfe der Franzosen schneller zurückgelegt als ich dachte. Etwas schade das ich auch durch Bordeaux wieder so durchgerauscht bin. Andererseits habe ich es dadurch bis Freitag Abend, den 26.10.2018, bis nach Arcachon geschafft. Und wer hätte es gedacht, so langsam ging mir mal wieder das Geld aus.
Doch wer mich kennt, der weiß das ich mich davon doch nicht abhalten lasse. Und schon seit ich in Frankreich angekommen war hatte ich mir vorgenommen sobald ich am Meer sein würde, mir eine große Flasche echten Bourbon Whiskey zu gönnen. Gesagt, getan. Ich schlenderte in den nächsten Laden, kaufte eine 750 ml Flasche Bourbon und dazu 1,5 Liter Cola. Damit ging es dann auch gleich zum Strand, welcher glücklicherweise nur ein paar hundert Meter entfernt lag. Ich telefonierte noch kurz mit ein paar Freunden und Verwandten in Deutschland und widmete mich dann meinem Vorhaben. An den Strand setzen, Spotify playlist an und die Flasche leeren.
Keine so gute Idee. Viel weiß ich von dem Abend nicht mehr. Am nächsten Morgen war jedoch die Flasche Whiskey bis auf einen kleinen Rest leer und die Cola noch zu etwa einem Viertel voll. Ach ja, da ich gestern Abend auch nicht einmal mehr in der Lage war mein Zelt aufzustellen, hatte ich mich nur im Schlafsack auf meine Isomatte auf den Strand gelegt. Dreimal dürft ihr raten. Genau, natürlich hat es geregnet. So waren jetzt nicht nur alle meine Sachen nass bzw. feucht sondern zudem auch noch überall voller Sand. Richtig geil.
Ich packte so schnell es ging zusammen, warf die restliche Cola und den Whiskey weg und machte mich auf die Suche nach einem Café. So gegen kurz nach acht war dieses dann auch gefunden. Doch da ich mich in einem Touristenort befand kostete der Café dann auch gleich mal 3,20 Euro. Ich bestellte noch einen zweiten und fragte dann bevor ich ging gleich noch nach Arbeit um meine doch jetzt wirklich recht magere Reisekasse wieder etwas aufzufüllen. Im Café hatten sie zwar nichts für mich, jedoch gab die nette Frau von der Theke mir den Tipp es doch mal auf dem Markt bei den Händlern zwei Straßen weiter zu versuchen.
Also machte ich mich auf den Weg dorthin. Viele Händler waren es nicht. Vielleicht ein knappes dutzend. So hatte ich eigentlich wenig Hoffnung hier etwas zu finden. Doch wie sagt man doch so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Gleich der zweite Händler, welcher einen Stand mit Obst und Gemüse betrieb, war interessiert. Allerdings suchte er jemanden bis Weihnachten was natürlich viel länger war als die von mir vorgeschlagenen maximal zwei Wochen. Nichts desto trotz sagte ich das ich interessiert sei. Er sagte er müsse dies noch mit seiner Frau besprechen und ich solle morgen früh wieder hierher kommen. Ich freute mich wie ein Schneekönig, denn irgendwie hatte ich ein gutes Gefühl das das klappen würde und so suchte ich mir einen nahegelegenen Campingplatz, machte mich nochmal frisch und wartete auf den nächsten Tag.
Am nächsten Morgen machte ich mich dann auch schon früh auf den Weg. Obwohl das Zelt noch nicht wirklich trocken war, packte ich alles zusammen und ging die knapp zwei Kilometer runter in die Stadt. Dort angekommen war der Händler von gestern auch schon dort. Ich ging auf ihn zu und fragte wie es denn nun aussah. Leider hatte er noch nicht mit seiner Frau darüber gesprochen und wollte nun versuchen sie auf dem Handy zu erreichen und ich sollte in einer Stunde wiederkommen. Darauf gönnte ich mir erstmal noch einen weiteren Kaffee für 3,2 Euro bei der netten Frau aus dem Café von gestern und bedankte mich für den top mit dem Markt. Sie konnte beinahe selbst nicht glauben das das funktioniert hatte schien sich aber dennoch zu freuen. Ob nun darüber das sie recht hatte oder darüber das ich einen Job gefunden hatte, zumindest evtl, vermochte ich nicht zu sagen. Jedenfalls ging ich eine Stunde später wieder zum Händler Un dieser hatte auch mittlerweile mit seiner Frau gesprochen. Gute Neuigkeiten. Das mit dem Job klappte. Allerdings war er nicht direkt hier aus Acrachon sondern aus einem kleinen Dorf etwa gute 100 km entfernt. Jedoch sagte er mir zu, mich, wenn die Arbeit Weihnachten erledigt wäre, wieder hier abzusetzen, so daß ich meine Tour würde fortsetzen können. Der Markt ging bis um ein Uhr und solange musste ich jetzt noch irgendwie die Zeit totschlagen. Dann ging ich zurück, half noch kurz beim zusammen packen und dann machten wir uns auf den Weg.
In etwa anderthalb Stunden später waren wir dann auch schon auf dem Hof angekommen. Doch dieser war kein Vergleich zu dem in Belgien. Hier schien alles etwas heruntergekommen und wie sich herausstellte ging es auch weniger um Obst und Gemüse, wie ich es anhand des Marktstand abgenommen hatte, sondern mehr um Tierhaltung. Genauer gesagt Geflügel. Und ich würde die nächsten Wochen jeweils von Mittwoch bis Freitag Federvieh Rupfen. An den anderen Tagen war allerdings nicht besonders viel zu tun und so hatte ich einige Zeit meine Gastgeber etwas besser kennen zu lernen. Es waren wirklich nette und bodenständige Leute, die mich vom ersten Tag an in ihre Familie aufnahmen. Wie auch schon zuvor in Belgien aß ich gemeinsam mit Ihnen und beim Thema Essen ließ man sich hier wirklich nicht lumpen. Gleich am ersten Tag gab es Garnelen, See Schnecken, Austern Brot und Wein. Das mit dem Wein ging auch so weiter. Jeden Mittag und Abend gab es zum Essen zwei drei Gläser Rotwein. Und auch das Essen wurde nicht schlechter. Mal gab es Kanninchen, mal eine Fischsuppe, mal selbst geschossen Tauben. Wie man so schön sagt, wir aßen hier wie Gott in Frankreich.
Nichts desto trotz und obwohl ich auch wieder ein eigenes Zimmer hatte, merkte ich schon nach der ersten Woche das ich es wohl nicht bis Weihnachten aushalten würde. Zwar bekam ich hier gutes Geld, hatte ein warmes Zimmer und ein Dach über dem Kopf, aber letzten Endes war das nicht das was ich wollte oder suchte. Ich musste wieder los und so sagte ich meinen Gastgebern schon am nächsten Wochenende Bescheid, das ich weiterziehen wollte. Die nahmen es mit Humor auch wenn sie es sehr schade fanden und er sagte zu mir ich sei wie die tauben die sie jagten immer auf dem weg in Richtung Süden. Auch wenn das mit Richtung Süden nicht so ganz auf mich zutraf, hätte er schon nicht ganz Unrecht. Irgendetwas zig mich einfach immer weiter und mir war klargeworden das ich wohl keinen Job länger als zwei Wochen während dieser Reise machen würde.
Am Montag, den 5 November packte ich dann meine Sachen, nachdem die Hausherren diese nochmal gewaschen hatte und machte mich wieder auf den Weg. Da mir die Sache mit dem ganzen Sand in all meinen Sachen immer noch im Gedächtnis nachhing, änderte ich aber meinen Plan und würde nun nicht wieder in Richtung Küste gehen, sondern würde nun über die Pyrenäen nach Spanien weitergehen. Die nächsten Stationen ab hier wären dann also die französische Stadt Pau und dann Jaca in Spanien.
Die erste Nacht Draußen war dann die absolute Hölle. Zwar hatte der Wetterbericht Regen vorhergesagt, doch da es den ganzen Tag nicht geregnet hatte, setzte ich auf mein Glück und ging davon aus das es auch in der Nacht trocken bleiben wird. Böser Fehler. So gegen acht Uhr Abend fing es richtig an zu schütten. Ich versuchte mein Tarp über meinen Sachen und über mir aufzuspannen, doch aufgrund der Dunkelheit und der zudem schlechten Anordnung der Bäume war dies nicht wirklich gut möglich und sowohl ich als auch meine Sachen wurden klitschenass. Es war so schlimm das ich gegen zehn vor eins mitten in der Nacht beschloss meinen Kram zu packen und auf der dunklen Landstraße mit meiner Taschenlampe weiterzugehen. Gott sei Dank war die Straße nicht besonders stark frequentiert und aufgrund der nasse hörte man heranfahrende Autos Schi auf hunderte Meter Entfernung.
Ich schlug mich so einige Kilometer durch und würde sogar von einem netten jungen Mann noch ein paar weitere km mitgenommen. Bis ich dann, vielleicht ein zwei km nachdem er mich abgesetzt hatte an einer verlassenen und schon total demoliert Tankstelle Unterschlupf fand. Mittlerweile war es vier Uhr. Ich packte meinen Schlafsack und meine völlig nasse Isomatte aus und legte mich völlig erschöpft hin. Tatsächlich gelang es mir hier noch etwas länger als zwei Stunden zu schlafen da ich einfach völlig fertig war.
Gegen halb sieben wachte ich auf und fühlte mich zwar etwas ausgeruht jedoch waren alle meine Sachen klamm und meine Füße waren halb erfroren. Dies lag unter andern auch daran das in meinen beiden Schuhen recht große Löcher waren durch welche die Nässe wunderbar eindringen konnte. Ich rauchte drei Zigaretten hintereinander wobei ich immer von einem Fuß auf den anderen wechselte, packte dann meine Sachen zusammen und machte mich weiter auf den Weg in Richtung Pau.
Die Straße war wieder nicht besonders stark befahren und die langsam aufgehenden Sonne machte den Weg und meine Stimmung trotz meiner klammern Sachen irgendwie doch noch ganz angenehm. Nach einigen Kilometern auf der immer geradeausgehenden Straße hielt dann auch gleich nochmal ein junger Mann in einem schicken Audi um mich mitzunehmen. Zwar nicht ganz bis nach Pau aber immerhin bis in die nächste Stadt. Während der Fahrt unterhielten wir uns und ich erzählte ihm meine Geschichte. Er war Weinverkoster und hatte um halb neun einen Termin in einem Chateau was ihn aber nicht davon abhielt, mich in der Stadt in welcher er mich absetzt noch auf einen Kaffee und zwei Schoko Brötchen einzuladen. Ich nahm dankend an und nach unserem gemeinsamen Frühstück gingen wir beide wieder unserer Wege.
Die Stadt in welcher er mich absetzte hieß Aire sur L’Ardour und war noch etwa 50 km von Pau entfernt. Ich sah mich noch ein wenig in dem Ort um, machte ein paar Fotos und ging dann weiter. So langsam machten sich dann auch die ersten Ausläufer der Pyrenäen bemerkbar. Zwar war es noch nicht wirklich eine bergig Gegend, doch ging es doch zunächst erstmal ein Stückchen Bergauf. Danach folgte dann eine endlos scheinende, immer schnurstracks geradeaus verlaufende Landstraße. Doch wieder einmal hatte ich Glück und ein weiterer netter junger Mann hielt an um mich mitzunehmen. Er musste sogar ganz bis nach Pau, da er dort einen Termin beim Arzt hatte. Er kam aus einer französischen Kolonie im Pazifik hinter Australien und war seit drei Jahren in Frankreich um hier zu arbeiten. Da der hin und Rückflug allein jedes Mal 3000 Euro kosteten, sah er seine Familie dort nur alle zwei Jahre für ein paar Wochen. Kurz vor dem Zentrum ließ er mich aussteigen und ich ging zu Fuß weiter. Ich gönnte mir noch einen Kaffee und ließ bei der Gelegenheit auch gleich noch mein Handy etwas laden, bevor ich mich dann weiter auf den Weg machte. Pünktlich zum einsetzenden Regen.
Noch bevor die Stadt hinter mir lag, hielt auch schon ein junges Paar und fragte wo ich hinwolle. Ich sagte in Richtung Jaca in Spanien. Zwar wollten sie nicht nach Jaca doch immerhin auch nach Spanien um direkt hinter der Grenze Alkohol und Zigaretten zu kaufen. Gut für mich, so musste ich zumindest nicht die Pyrenäen hinaufsteigen. Ich sagte das dies für mich super sei und stieg ein. Der Weg führte uns durch immer schmaler Straßen an immer steiler werdenden Abhängen vorbei, immer Bergauf. Nach etwa zehn oder fünfzehn Minuten Fahrt sah man dann auch schon die ersten schneebedeckten Gipfel. Es ging weiter Bergauf. Nach vielleicht einer Stunde Fahrt hatten Sie dann ihr Ziel erreicht. Eine Station direkt hinter der spanischen Grenze. Wir verabschiedeten uns voneinander und ich musste erstmal die Eindrücke und Gefühle in meinen Kopf verarbeiten. Um mich herum war alles weiß. Schnee soweit das Auge reichte. Auf 1900 Metern Höhe. Da ich zum ersten Mal in meinem Leben in den Bergen war brauchte ich eine Weile um dieses beeindruckende Panorama zu verarbeiten. Als ich mich etwas an die für mich neue Umgebung gewöhnt hatte, nahm ich mein Handy zur Hand und rief als erstes ein paar Freunde und Verwandte an um ihnen meinen neuesten Fortschritt mitzuteilen. Viel Zeit blieb mir allerdings nicht, es war kurz nach ein Uhr Mittag, bis nach Jaca waren es noch etwas über 50 Kilometer und ich war absolut nicht für dieses Klima ausgerüstet. Also ging es gleich nach ein paar schnellen Fotos weiter. Da es nur eine Straße gab, brauchte ich auch keine Navigation. Zwar schien es sehr verlockend etwas abseits der Piste auf die Berge zu steigen, doch wegen des zu hohen Risikos Wiederstand ich dieser Verlockung und setzte meinen Weg fort.
Wieder wurde ich ganz gut mitgenommen. Zwar nur fünf bis sechs Kilometer hier und wieder fünf bis sechs Kilometer fort, doch gegen sechs Uhr abends erreichte ich einen Campingplatz in Jaca. Ich baute mein Zelt auf und genoss die Cola und das Baguette mit dem Schinken welches ich zuvor noch in einem Supermarkt erstanden hatte. Heute war ich wirklich weit gekommen. Ich bin in Spanien. Das vierte Land von 27 / 28 (Wer weiß was die Engländer machen ich befürchte nichts gutes doch wir werden sehen). Allerdings würde es ab hier auch mit der Arbeitssuche schwerer werden. Hatte ich erwähnt, dass ich nicht ein Wort spanisch spreche?
Am nächsten Tag wollte ich mir erstmal ein Wenig die Stadt ansehen. Es war Mittwoch der 7 November 2018 und mein erster Weg führte mich in die direkt neben dem Platz liegende Tapasbar. Ich bestellte einen großen Milchkaffee (Café con leche) und bezahlte 1,60 Euro. Zumindest würden die Preise besser. In der Stadt bestellte ich dann ein mit einem Omelett mit Seranoschinken belegtes Brötchen und noch einen Kaffee und bezahlte 3,40 Euro. Eine Schachtel Lucky Strike aus dem Automaten sollte 4,75 Euro kosten. Damit ließ sich leben.
Ich schlenderte noch etwas durch die Stadt und auf dem Rückweg ging ich in ein Outdoor/Bergsteigergeschäft. Dort kaufte ich für rund fünfzig Euro eine Thermoskanne mit einem Liter Fassungsvermögen sowie ein paar Handschuhe. Jetzt hatte ich noch gut dreißig Euro. Also zurück zum Platz und das Zelt abgebaut. Da es in der Nacht geregnet hatte war alles Nass und Matschig, doch mittlerweile störte mich das beinahe nicht mehr. Ich tröstete mich mit dem Gedanken das ich noch einen weiten Weg vor mir hatte und sicher auch wieder bessere Tage kommen würden.
Mein nächstes Ziel hieß Pamplona, gut hundert Kilometer weiter westlich. Ich schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg. Daumen raus und weiter. Nach ein paar km hielt ein Paar vielleicht etwas älter als ich. Sie waren vor zehn Jahren nach Spanien gezogen und kamen ursprünglich aus Polen. Viel redeten wir allerdings nicht, da sie nur wenig Englisch sprachen und ich weder polnisch noch Spanisch. Jedenfalls wollten sie zu meinem Glück auch nach Pamplona und so war ich bereits gegen Mittag dort. Ich genehmigte mir ein Glas Weißwein und sah auf Google maps nach meinem weiteren Weg.
Die nächsten größeren Ziele waren die Städte Logroño und Léon. Ich hatte nämlich beschlossen, das ich, da ich eh schon so eine Reise machte, auch Santiago di Compostela einen Besuch abzustatten. Auch wenn das nicht meine Tour und zudem ein kleiner Umweg war. Doch da ich des öfteren schon dem Zeichen des Jakobswegs begegnet war, warum nicht. Nach dem Wein ging es dann auch weiter den Jakobsweg entlang aus Pamplona hinaus. Logroño war noch etwa 100 km entfernt und auf dem Weg auf welchem ich mich befand wurde mich wohl auch niemand mitnehmen. Zwar verlief er mehr oder weniger direkt neben einer Autobahn entlang, doch auf dem Weg selbst fuhren keine Autos. Etwa sechs km. Hinter Pamplona, an einem kleinen See schlug ich dann so gegen 17:00 Uhr mein Zelt auf. Das heiße Wasser welches ich mir noch bei meiner Abreise in der Tapasbar neben dem Campingplatz hatte einfüllen lassen war noch immer heiß und so genoss ich erstmal eine schöne heiße Tasse Kaffee, sah der Sonne beim verschwinden hinter den Gipfeln der Pyrenäen zu und hoffte auf eine ebenso schöne Nacht wie es dieser Anblick verhieß.
Die Nacht war die reinste Katastrophe. Dreimal musste ich aus meinem Zelt wegen Durchfall. Ich weiß nicht ob es am Wasser lag oder woran sonst, doch ich hatte schon des öfteren gehört das das spanische Leitungswasser nicht besonders vertraglich für deutsche Verhältnisse ist. Wie dem auch sei, ich blieb bis etwa zehn in meinem Zelt liegen und fing dann erst an langsam meine Sachen zu packen und mich wieder auf den Weg zu machen. Vor mir lag ein Bergrücken welchen es zu überwinden galt. Ein weiteres Mal schulterte ich meinen Rucksack und ging los. Nach ein paar km kam ein kleines Dorf in Sicht. Da mein trinken leer war, sah ich in dem dort, direkt neben einer Kirche stehenden Automaten nach. Ein halber Liter Cola sollte hier 1,90 Euro kosten. Na dafür geht’s dann wohl mal direkt in die Hölle Freunde. Soviel ist mal sicher. Der danebenstehende Kaffeeautomat war leider außer Betrieb und auch sonst war hier nicht viel los. Ich machte eine kurze Zigaretten Pause und ging weiter. Nun ging es über den Bergrücken. War ein ganz schöner Anstieg, allerdings nicht so schlimm wie ich es zuerst noch vermutet hatte. Der Abstieg auf dem mit Geröll und Gestein belegten Untergrund schien mir da schon gefährlicher. Man musste wirklich aufpassen, daß man nicht irgendwo falsch auftrat und umknickte oder sich komplett auf’s Maul packte. Gott sei dank verlief das soweit recht gut und als der Abstieg geschafft war, ging es recht entspannt geradeaus weiter. Ein paar km weiter kam dann auch das nächste Dorf namens Uterga. Hier gab es eine Herberge des Jakobswegs und ich brauchte so langsam wirklich dringend einen Kaffee.
Der nette junge Mann von der Rezeption, Christopher, fragte ob ich einen Platz für die Nacht haben wollte. Ich antwortete ich wolle erstmal meinen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen. Er erwiderte das das Frühstück inklusive sei und der Platz nur zehn Euro kosten würde. Dieses Angebot ließ ich mir dann doch nicht entgehen und nahm den Platz und als allererstes eine Dusche und noch ein Glas Wein für einen Euro direkt im Anschluss. Dann lud ich erstmal meine Powerbank welche schon fast völlig entladen war wieder auf und direkt im Anschluss auch noch mein Handy gleich mit. Gegen Abend hörte ich dann noch meine Spotify playlist und schlief dabei ein.
Am nächsten Morgen erläuterte ich dann Christopher mein Problem mit meiner Bankkarte und fragte, ob ich vielleicht ein paar Tage bis maximal eine Woche auf Kredit hier bleiben könne, bis meine Karte da sei. Er bejahte und ich war heilfroh das ich dann zumindest ein Problem weniger haben würde. Sofort rief ich meine Mutter in Deutschland an und bat sie meine Karte per Express an die Adresse zu schicken welche Christopher mir genannt hatte. Als sie mich ein paar Stunden später wieder anrief und mir die Express kosten nannte, fiel ich beinahe hinten rüber. 50 Euro. Für nen verdammten Brief mit ner Karte drin bis nach Spanien, auch noch innerhalb der EU. Aber was sollte man machen. Wie gesagt, zumindest ein Problem weniger. Und laut paketverfolgung sollte der Brief dann auch am Montag, den 12. November hier eintreffen. So hatte ich also erstmal ein paar Tage Zwangspause.
Ich nutzte die Zeit um diesen Artikel zu schreiben und ging am Samstag noch ins nächste Dorf um dort einen kleinen Block und einen Kugelschreiber zu kaufen. So kann ich dann zumindest ein paar Sätze spanisch lernen und vielleicht so auch dann Arbeit hier finden. Wir werden sehen. Heute haben wir Sonntag, den 11. November und morgen im Laufe des Tages soll dann meine Karte hier eintreffen. Das heißt, das ich wohl bis Dienstag erstmal hier bleiben werde. Ein paar Tage später gibt es dann auch wieder die neuesten Ereignisse von meiner Reise.
Bis dahin wünsche ich euch alles Gute mit den besten Grüßen aus dem kleinen Ort Uterga,
Euer europa-blogger

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